02.04.2025

„Feuer aus!“ für die Braunkohle im Heizkraftwerk Merkenich

Nach genau 35 Jahren hieß es in der Nacht auf den 1. April im Heizkraftwerk Köln-Merkenich der Rhein-Energie „Feuer aus!“ für eine Anlage, die seit März 1990 Prozessdampf für die Industrie sowie Fernwärme und Strom für die Bevölkerung geliefert hat. Der Wirbelschichtkessel am Standort, in dem Braunkohlegranulat als Brennstoff zum Einsatz kam, wurde endgültig abgeschaltet. Mit dieser Stilllegung der Anlage ist die Ära der Energieerzeugung auf Basis heimischer Braunkohle in Köln beendet.

„Der Braunkohlenkessel war vor 35 Jahren aus damaliger Sicht modernster Umweltschutz in der Energieerzeugung. Heute ist er veraltete Technik, er hat in der Zwischenzeit trotzdem positive Wirkung durch eine sichere Wärme- und Dampfversorgung und den Ersatz noch älterer, ineffizienter Anlagen entfaltet“, sagte der RheinEnergie-Vorstandsvorsitzende Andreas Feicht bei der Abschaltung der Anlage. „Jetzt hat er seine Schuldigkeit getan, es ist Zeit für Neues, und deswegen schalten wir ihn endgül-tig ab. Wir bei der RheinEnergie befinden uns in einer fortwährenden Transformation. Nach dem Motto: ‚Morgen wird heute gemacht.‘ denken wir immer an die Zukunft. Auch am Standort Merkenich, wo wir Platz schaffen für die Technik von morgen, wie etwa Großwärmepumpen.“

Der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer drückte im März 1990 den Startknopf für die Kesselanlage, die seinerzeit als eine der modernsten Europas und als Modellfall für den Umweltschutz galt. Aufgrund einer besonderen Verbrennungstechnik vermied man das Entstehen von Stickoxiden; ebenso waren die Emissionswerte für Staub und Schwefeldioxid äußerst niedrig. Treibhausgase wie Kohlendioxid spielten in der Betrachtung damals noch keine Rolle. Die Verwendung eines heimischen Brennstoffs aus dem benachbarten rheinischen Braunkohlenrevier und der Einsatz von Kraftwerks-technik eines Unternehmens aus Gummersbach waren Beispiel für eine gelungene regionale Kooperation.

Zunehmend geriet die energetische Nutzung der Braunkohle in die Kritik. So verursachte die Kesselanlage in Merkenich im Jahr 2024 noch Treibhausgasemissionen von knapp unter 300.000 Tonnen. Diese entfallen jetzt auf Dauer.

Den Prozessdampf für die benachbarte Industrie und Fernwärme für die Wohngebäude im Kölner Norden und Westen (Bocklemünd) sowie Strom fürs öffentliche Netz erzeugt künftig unter anderem eine Gas-und-Dampfturbinen-Anlage (GuD) auf Basis von Erdgas. Diese existiert bereits seit dem Jahr 2000 auf dem Kraftwerksgelände und wird aktuell grundlegend mit der Zielsetzung einer höheren Effizienz modernisiert. Die modernisierte GuD-Anlage ist so vorbereitet, dass sie in Zukunft auch auf Wasserstoffbetrieb umgestellt werden kann. Außerdem soll am Standort Merkenich ab 2029 eine Klärschlammverbrennungsanlage klimaneutral Energie liefern.

Zudem prüft die RheinEnergie, ob sich auch am Standort Merkenich eine Großwärmepumpe errichten lässt.

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